24. September 2026

38 Jahre für Forschung und Lehre

Nach 38 Jahren Lehr- und Forschungstätigkeit an der HSZG verabschiedet sich Dipl.-Ing. Sören Alt nun in seinen wohlverdienten Ruhestand.

Da gibt es Situationen im Alltag eines Instituts, in denen die MitarbeiterInnen mal gemeinsam innehalten und die vergangene Zeit rekapitulieren lassen. Eine solche war der Abschied von Sören Alt, der nach Jahren voller Engagement für Forschung und Lehre nun bald in den wohlverdienten Ruhestand tritt. In einer Atmosphäre, die locker und feierlich, aber auch von etwas Wehmut geprägt war, verabschiedete sich Sören Alt im Kreis der Kolleginnen und Kollegen des Institutes für Prozesstechnik, Prozessautomatisierung und Messtechnik (IPM). Bei seinem Rückblick über sein Arbeitsleben an der Hochschule wurde uns bald klar, dass wir hier nicht nur einen sehr geschätzten Kollegen ziehen lassen, sondern dass mit dessen Abschiednahme auch ein großes Kapitel der Institutsgeschichte allmählich zu Ende geschrieben wird.

Zum Zeitpunkt des Abschiedes kann Sören Alt auf 38 Jahre Tätigkeit an der TH Zittau respektive der HSZG zurückblicken, eine Zeit, die auch durch eine beeindruckende Kontinuität und fachliche Anpassungsfähigkeit geprägt war. Sören begann 1988 an der Sektion Kraftwerkstechnik und Energieumwandlung der Technischen Hochschule (TH) Zittau als Assistent am Lehrstuhl Kernenergietechnik. Entsprechend inhaltlich geprägt war auch seine Forschungstätigkeit. Von 1991 bis 1997 leitete er das Thermohydrauliklabor in Hirschfelde mit den Anlagen DHVA (Druckhalterversuchsanlage) und HORUS II. 1991 startete dort das erste BMBF-geförderte Projekt zur Thermohydraulik von Heizrohren in WWER-Dampferzeugern unter Störfallbedingungen. 1994 erfolgte der erste Industrieforschungsauftrag durch die Firma Sulzer (Schweiz) zu Sicherheitsventilen für Druckwasserreaktoren.

Zwischen 1997 und 1998 verantwortete und begleitete er dann die Verlagerung der Versuchsanlagen DHVA und HORUS II an einen neuen Standort, dem Thermohydraulik- und Magnetlagerlabor des IPM in Zittau. Die anschließend über viele Jahre an diesem Standort verfolgten Forschungsprojekte zielten hauptsächlich auf die Beherrschbarkeit von Kühlmittelverluststörfällen (Loss of Coolant Accident, LOCA) in deutschen nuklearen Anlagen ab, ließen sich grob kategorisieren in

  • Untersuchungen zu Isolationsmaterialfreisetzungen und -ablagerungen bei LOCA und
  • Untersuchung zur Zinkfreisetzung bei LOCA im Reaktorsumpf und Bildung von Zinkborat im Reaktorkern.

Diese Projekte wurden viele Jahre lang vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und der TU Dresden (TUD) kooperativ begleitet, zuletzt auch von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS).

Sören Alt präsentierte diese Themen auf Fachkonferenzen in den USA, Kanada, Finnland, Frankreich und Norwegen, wobei neben der Vernetzung mit anderen Wissenschaftlern natürlich auch das Reisen, die Länder und deren Landschaften selbst bei ihm bleibenden Eindruck hinterließen. Er nahm auch regelmäßig an nationalen Konferenzen wie der Kerntechniktagung und TÜV-Fachtagungen teil. Darüber hinaus veröffentlichte er gemeinsam mit den Kollegen zahlreiche Artikel z.B. in  Zeitschriften wie der atw Kerntechnik und in wissenschaftlichen Journalen wie dem International Journal of Nuclear Power und Nuclear Engineering and Design.

Auch der Rektor Prof. Alexander Kratzsch war zur Abschiedsfeier anwesend und dankte Sören Alt anlässlich seines Eintritts in den wohlverdienten Ruhestand für sein Wirken.

Solange die Kernenergie noch an der nationalen Stromerzeugung beteiligt war, blieb die für die verbleibende Laufzeit zu gewährleistende Anlagen- und Reaktorsicherheit ein Arbeitsschwerpunkt des Fachgebiets Kerntechnik/Soft Computing des IPM. In 2023 - also nach mehr als 20 Jahren - war jedoch kein Bedarf mehr an nationaler nuklearer Sicherheitsforschung gegeben. Das über viele Jahre etablierte Team um Sören Alt zog sich teilweise in andere Themengebiete zurück. Sören blieb in Projekten wie QGRIS (Quantitative Gamma-Ray Imaging System) aktiv, widmete sich während seines Offboardings aber auch dem Rückbau der nun obsoleten Versuchsanlagen. Seine Expertise blieb unverändert intern wie auch extern gefragt, von der Sächsischen Zeitung über den Mitteldeutschen Rundfunk bis hin zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Sein umfangreiches Fachwissen und seine Praxiskenntnisse gab Sören Alt auch an die jüngeren Generationen weiter: Im Rahmen von Lehraufträgen und einer von 2010 bis 2015 von Vattenfall finanzierten Forschungsprofessur vermittelte er u. a. Wissen in den Bereichen nukleare Energieumwandlung, Kernkraftwerkstechnik, Neutronenphysik sowie Thermodynamik. Auch aktuelle Themen wie die Reaktorsicherheit sowie die Stilllegung, der Rückbau und die Entsorgung radioaktiver Stoffe fanden in seinem Lehrplan stets ihren Platz. Gern organisierte er für die Studierenden Besichtigungen zu Standorten wie dem Wendelstein 7-X oder den Endlagern Morsleben und Konrad und setzte sich für diese Reisen auch kurzerhand selbst hinter das Steuer.

Mit seiner Tätigkeit hat Sören Alt zur Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen von Kernenergieanlagen beigetragen und damit seinen Anteil zum weltweit führenden Sicherheitsniveau deutscher Kernkraftwerkstechnik geleistet.

Sören, seitens des gesamten Institutes möchten wir dir nochmals auf diesem Wege einen herzlichen Dank für deine langjährige Kompetenz, dein Engagement und die stets kollegiale bis freundschaftliche Zusammenarbeit übermitteln. Wir wünschen Dir einen entspannten Start und viele schöne Momente im nächsten Kapitel deines Lebens.