15. April 2026

Besuch von Trawos-Mitarbeitern bei der Spring School zur wissenssoziologischen Diskursanalyse in Augsburg

Vom 25. bis 27. März 2026 nahmen Raffael Hermann und Renke Scholz, Mitarbeiter des Trawos-Instituts im Projekt Elitenmonitor II, an der Spring School zur wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) in Augsburg teil. Die Veranstaltung bot eine wertvolle Gelegenheit, sich intensiv mit zentralen Konzepten und methodischen Zugängen der Diskursforschung auseinanderzusetzen.

Im Rahmen des Elitenmonitors wird ein diskursanalytischer Forschungsansatz verfolgt. Ziel ist es, zu untersuchen, welche Wirkungen die mediale Debatte über die Unterrepräsentation Ostdeutscher in Elitepositionen besitzt und welche Deutungsmuster dabei auf einer diskursiven Ebene sichtbar werden. Die Teilnahme an der Spring School stellte daher eine gute Möglichkeit dar, um theoretische und methodologische Grundlagen dieses Ansatzes weiter zu vertiefen.

Neben einer Einführung in die WDA wurden zentrale Begriffe der interpretativen Analytik besprochen und diskutiert. Über die theoretische Wissensvermittlung hinaus fanden die neu erworbenen Kenntnisse anhand der Analyse empirischen Materials der Teilnehmenden direkt praktische Anwendung.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem wissenssoziologischen Diskursverständnis nach Reiner Keller, der die Spring School maßgeblich mitgestaltete. Diskurse werden dabei nicht lediglich als sprachliche Phänomene verstanden, sondern als soziale Praktiken der Bedeutungs- und Wissensproduktion. Sie umfassen sowohl Aussagen und Texte als auch Handlungen, Routinen und institutionelle Strukturen, durch die gesellschaftliche Wirklichkeit hervorgebracht und stabilisiert wird. Diskurse prägen somit, was in einer Gesellschaft sagbar ist, wie Themen verhandelt werden und welches Wissen als gültig verstanden wird.

Ergänzend wurde das Konzept des Dispositivs eingeführt, das den Blick über sprachliche Dimensionen hinaus erweitert. Es bezieht materielle, institutionelle und praktische Aspekte mit ein und ermöglicht so eine umfassendere Analyse der Wechselwirkungen zwischen Wissen, Macht und sozialen Praktiken.

Im Rahmen einer Vertiefung zur Subjektivierungsforschung bot sich außerdem die Gelegenheit die Wechselwirkungen zwischen Diskurs und Subjekt näher zu beleuchten und sowohl der Frage nachzugehen wie der Diskurs Subjekte hervorbringt, als auch wie Subjekte auf den Diskurs einwirken und ihn mitgestalten. Hier lassen sich mögliche Anknüpfungspunkte für das Projekt denken, beispielsweise in Hinblick auf neue Formen der Subjektivierung durch die neuen sozialen Medien.

Insgesamt bot die Spring School einen kompakten und zugleich fundierten Einblick in die Anwendungsmöglichkeiten sowie die analytischen Potenziale der WDA. Sie schuf Raum für fachlichen Austausch und vertiefende Diskussionen über die Bedeutung dieser Ansätze für die Analyse gesellschaftlicher Wirklichkeitskonstruktionen.

M.A.
Raffael Hermann
Institut für Transformation, Wohnen und soziale Raumentwicklung
02826 Görlitz
Parkstraße 2
Gebäude 304, Raum G VII
2. Obergeschoss
+49 3583 374-4673